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Expertengespräch zu Fragen der Vogelhaltung und Vogelzucht bei der parl. Geschäftsführerin der Franktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Frau Undine Kurth, MdB am 08. Juni 2009 in Berlin
Nachdem sich die Anwesenden kurz vorgestellt haben und Frau Kurth (Sprecherin für Natur- und Tierschutz), die aus ihrer Sicht relevanten Themen für dieses Gespräch genannt hat - das Thema Qualzuchten wurde hier nicht erwähnt - spricht Dr. Ernst Günther die rechtliche Stellung der Vogelzuchtorganisationen an. Klaus Weber erläutert die Vorstellungen der deutschen Vogelzuchtorganisationen anhand des gemeinsamen Positionspapieres, welches an alle Bundestagsfraktionen gegangen ist. Im Zusammenhang mit der Psittakoseverordnung, die aus unserer Sicht überholt ist, fordert Herr Haut, dass es für alle besonderen Vogelarten (Psittaciden, Artenschutz) nur noch einen anerkannten Ring geben soll (Ohne dass es Herr Haut gesagt hat, meinte er hiermit einen vom BNA ausgegebenen Ring). Die Darlegungen der Vogelzuchtverbände fand allgemeine Akzeptanz, ohne dass es allerdings zu Entscheidungen gekommen ist. Der Artenschutz genießt nicht nur bei den Vogelschützern" sondern auch bei den organsierten Vogelzüchtern einen hohen Stellenwert, da auch wir eine saubere und ernsthafte Vogelhaltung wollen. Allerdings ist dann unverständlich, dass zwar erkannt wird, dass für Vögel wie die Chinanachtigall und den Reisfink keine Beringungspflicht mit Artenschutzringen mehr erforderlich ist, aber trotzdem noch Vermarktungsverbot besteht. Der Umgang mit Vögeln, bei denen eine geschlossene Beringung extrem schwierig ist (z.B. Eisvogel) führte zu keinem Konsens. Auf die Forderung des BNA, auf die Beringung ganz zu verzichten, forderten die Vogelschützer keine Lockerung, sondern eher noch eine DNA-Identifizierung vorzuschreiben. Klaus Weber erklärte, dass die Vogelzuchtverbände die derzeitigen rechtlichen Bestimmung strikt einhalten. Nicht zu beringende Vogelarten sollten nicht in menschlicher Obhut gehalten werden. Die Festlegung einer Ringgröße für jede Art wird zur Zeit in den Vogelschutzverbänden gemeinsam überarbeitet. Es besteht Einigkeit, auch mit Vertretern der Vogelchutzorganisationen (Herr Brücher), dass Mutanten und Hybriden, wenn sie sich klar von den Nominatformen unterscheiden, nicht mehr der Artenschutzbestimmungen unterliegen sollten. Einigkeit besteht ebenfalls zwischen allen Beteiligten, dass Massenimporte nicht mehr gewünscht sind. Allerdings machten die Vertreter der Vogelzuchtverbände deutlich, dass kontrollierte Naturentnahmen möglich sein müssen, um z.B. bei Erhaltungszuchtprogrammen die Gefahr einer zu engen Blutsführung zu unterbinden. Es wurde vorgeschlagen und auch allgemein akzeptiert, dass die Zuchtverbände einen entsprechenden Entwurf vorbereiten und mit den Naturschutzverbänden abstimmen, der dann der Politik zur Verfügung gestellt wird. Die von den organisierten Vogelzuchtverbänden durchgeführten Vogelbörsen finden auch in den Reihen des BNA und der Tierschützer Anerkennung und führen zu keinerlei Kritik. Die vorliegenden Leitlinien für Vogelbörsen werden von allen Beteiligten vom Grundsatz her akzeptiert. Hier muss nur dafür gesorgt werden, dass diese Leitlinien auch bei Vogel- und Tierbörsen außerhalb der organisierten Vogelzuchtorganisationen umgesetzt werden. Bei dem Thema Sachkunde spricht sich Herr Haut dafür aus, dass die Sachkunde-schulungen und -prüfungen für den gewerblichen Tierhandel - wie bisher - vom BNA durchgeführt werden. Im privaten Bereich (Vogelzucht) hat er keine Probleme damit, wenn diese Sachkundeschulungen und -prüfungen durch die Vogelzuchtorganisationen stattfinden. Klaus Weber übergibt Frau Kurth den Sachkundeordner des DKB, nachdem er klar heraus gestellt hat, dass die Sach- und Fachkunde in den Vogelzuchtorganisationen vorhanden ist und auch umfangreich organisiert wird. Nachdem Frau Kurth die Gesprächsrunde, wegen einer anderen Verpflichtung, verlassen hat, wurde das Thema Qualzuchten - welches vorher nicht genannt und vorgesehen war - angesprochen. Da der Vorwurf der Qualzuchten nur allgemein angesprochen wurde, forderte Klaus Weber die Vogelschützer auf, konkrete Beispiele mit klaren wissenschaftlichen Aussagen zu benennen, wo nachgewiesen werde, dass die Tiere Qualen erleiden. Die von Herrn Bückner vorgetragenen Gutachten, die u.a. im Auftrag des BNA erstellt worden waren, führten allerdings nicht zu einer klaren Aussage. Klaus Weber stellte noch einmal klar, dass innerhalb der Vogelzuchtorganisationen sofort durch entsprechende Maßnahmen reagiert werde, wenn es sich um eindeutige, wissenschaftliche Erkenntnisse handeln würde. Der emotional belegte Begriff Qualzucht" muss durch eine passendere und weniger negativ eingestellte Bezeichnung ersetzt werden. Die ganze Gesprächsrunde könnte als harmonisch verlaufend" bezeichnet werden, wenn zum Schluss nicht noch - von bestimmter Seite lanciert - das Thema Qualzucht" eingeworfen worden wäre. Hier sollte der Eindruck einer noch vor kurzem als undenkbar erscheinenden und erkennbaren Annäherung der bisherigen Standpunkte zwischen den Beteiligten getrübt werden. Jürgen Bockemühl |
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